10.4.2015 Wien - Stadtrundfahrt, die Zweite

Heute morgen führt uns das Programm nach Schönbrunn. Auf dem Weg erzähle ich rasch von der Entstehungsgeschichte und der missglückten Symmetrie. Auch den Zusammenhang zwischen dem Schönbrunner Tiergarten und dem Untergang der Habsburg-Monarchie verschweige ich nicht - kann man ein paar Seiten weiter hinten genau nachlesen -. Dann schicken wir unsere Fahrgäste auf den Besichtigungsmarathon. Wir hingegen suchen unseren geheimen Parkplatz auf und besorgen zunächst ein ausgiebiges Frühstück. In Österreich gibt es nämlich bei Mc Donalds richtiges Frühstück mit echten Semmeln, Butter, Marmelade, Wurst und Käse. Ein echter Mangel in Deutschland. Nach einer dreieinhalbstündigen Wartezeit, die wir gemütlich mit Frühstück, Zeitung lesen und Krimi schreiben im Bus verbringen, fahren wir gleich zum Schloss zurück, um zu sehen, wie viele noch übrig geblieben sind, die mit uns zum Hotel zurückfahren wollen. Möglicherweise bleiben wir allein. Aufgrund des schönen Wetters haben wir entschieden heute einmal selbst einen Ausflug zu machen. Wohin? Davon berichte ich später, wenn wir alle öffentlichen Verkehrsmittel gefunden haben, die wir brauchen, um unser Ziel zu erreichen …. Nachdem wir noch sechs Fahrgäste von Schönbrunn zum Prater gebracht haben, den Bus auf seinem Parkplatz gestellt, fahren wir zurück ins Hotel. Dort entledigen wir uns aller überflüssigen Dinge und gehen nur mit I-Pad und Kamera beladen zur U-Bahnstation am Nestroy-Platz. Wir fahren unterirdisch, später auch überirdisch nach Hitzing. Dort suchen wir uns die passende Straßenbahn zur Hermesstraße, wo wir in den Bus zum Lainzer Tor umsteigen. Unser Ziel ist die Hermes-Villa im Lainzer Tiergarten. Diese wurde von Hasenauer nach den Plänen von Kaiser Franz Josef für dessen Frau Elisabeth erbaut, in der Hoffnung, sie bliebe dann öfter in Wien. Da aber das Ganze letztlich eine Ansammlung von Geschmacklosigkeiten darstellt, hatte er mit diesem Plan nicht den erwünschten Erfolg. Keine Wunder, dass sie nicht bleiben wollte, denn allein in ihrem Schlafzimmer muss sie Alpträume bekommen haben. Das Prunkbett scheint erdrückt zu werden von der Zimmerdecke, die ein monumentales Gemälde von Hermes, dem Götterboten zeigt. An den Wänden großflächige Gemälde von Titania mit Puck, dem Esel oder Oberon. Alles in allem zeigt dieses Haus, dass Franz Josef die Vorlieben seiner Frau nie wirklich begriffen hat. Dann ein Schock. Wir betreten das Arbeitszimmer von Franz Josef und erwarten, dass Katharina Schratt, seine "Freundin" vom Kamin auf uns herabblickt. Ein wunderbares Raabgemälde, das seinen Platz dort gefunden hatte. Aber was wir dann sehen, ist an Schund und Dilettantismus nicht mehr zu überbieten. Ein quietschebuntes Bild, das Elisabeth im Kreise ihres Hundes und ihres Pferdes zeigt. Zum einen ist das aktive Geschichtsfälschung, denn die ganze Pikanterie, die durch die gezeigte Person entstand, wird damit aufgehoben. Zum anderen ist das Bild so schlecht gemalt, dass man bezweifeln muss, die Malerin als Künstlerin zu bezeichnen. Aber es wird gemunkelt, dass es auch in diesem Zusammenhang einen kausalen Zusammenhang zwischen jetzigem Hausherr und der Malerin geben soll. Nach diesem schockierenden Erlebnis wandern wir wieder zurück zur Bushaltestelle. Hätte ich gewusst, dass vor der Besichtigung ein solcher Fußmarsch liegt, hätte ich wohl drauf verzichtet. Wir fahren mit Bus und Bahn zurück nach Hitzing und verlassen die Öffis an der Gloriettegasse. Dort fotografiere ich noch die Villen von Katharina Schratt und ihrer Vorgängerin Anna Nahowski, die grad um die Ecke wohnte. Außerdem besichtigen wir das Fluchttürl, durch welches Franz Josef den Schönbrunner Schlosspark verließ um zu der einen oder anderen seiner Freundinnen zu gelangen. Dass er dort nur Guglhupf aß und sich den neuesten Wiener Tratsch erzählen ließ, ist wohl nur die halbe Wahrheit ... Dann besteigen wir wieder die U-Bahn und lassen uns ganz bequem an den Praterstern zurückkutschieren.

10.4.15 13:07

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