4.4.15 Gestern Osten heute Westen

Tag 5 unserer Wien-Fahrt. Auf dem Programm stehen Stift Melk, Maria Taferl und die Wachau. In Melk angekommen, dreht Hannes eine Freudenrunde. Auf dem Parkplatz steht eine einzige umgefallene Telefonzelle (Sprinter). Das hat es noch nie gegeben, aber man merkt, dass die Flusskreuzfahrer noch keine Saison haben. Ansonsten alles wie immer. Hannes bekommt seinen Klostersuppentopf. Mit Jacke kann man sogar draußen sitzen. Dann geht es weiter zu der Wallfahrtskirche Maria Taferl. Auf dem Weg dorthin passieren Schloss Artstetten und ich erzähle mal ein bisschen von der Geschichte um den, in Sarajewo, erschossenen Thronfolger Franz Ferdinand. Nach der Kirchenbesichtigung geht es durch die Wachau zurück. Auch hier ein paar Informationen über Mariandl und Richard Löwenherz und schon landen wir in Dürnstein, dem Ort an dem Richard Löwenherz gefangengehalten und gegen eine Lösegeldzahlung freigelassen wurde und gleichermaßen dem Ort mit dem blauen Turm. Vor dem Tunnel entlassen wir die Gruppe und erklären den Weg zum einzigen, örtlichen Busparkplatz. Dieser ist zu einem Schuttabladeplatz einer nahen dauerhaften Großbaustelle degradiert, und man muss den Bus auf einem absoluten Dreckplatz zwischen Riesenbergen von Schutt, Baumaterialien und Baumaschinen parken. Die Fahrgäste müssen durch den Baustellendreck laufen, um einsteigen zu können. Das alles könnte man ja ausnahmsweise mal hinnehmen, würden nicht am Ausgang ein Kassenautomat und eine Schranke die Ausfahrt verhindern, solange man nicht 15 Euro pro angefangene Stunde zahlt. Und das ist in meinen Augen Abzocke. Diesen Betrag kann ich für einen Parkplatz verlangen, wenn dieser auch einer ist und nicht ein Platz, wo man den Bus zwischen Schutt, Dreck und Müll rangieren muss. Wie stellen sich die Dürnsteiner das Ganze eigentlich vor, wenn die Flußkreuzfahrer auch noch kommen. Es wird der Welt das richtige Bild vermitteln. Reisebusse sind im österreichischen Ortsbild nicht mehr erwünscht. Das Geld unserer Fahrgäste hingegen schon. Aber da wiederhole ich mich in diesem Jahr mal wieder. Wann bekommen wir endlich den Freiparkschein, da unser Bus nun wirklich jedes Stadt- und Ortsbild nur bereichern kann?

3.4.15 Budapest

Was soll man nur zu Budapest sagen? Es ist eine wunderschöne Stadt mit vielen sehenswerten Gebäuden, Brücken und Stadtvierteln. Wie schön wäre es, könnte man im legendären "Café New York" seinen Kaffee genießen oder in der Buchhandlung im ehemalige Kasino des französischen Kaufhauses schmökern. Aber leider bleibt uns nur ein Tagesausflug dorthin. Da wir aus Richtung Wien anreisen, sind das vier Stunden Anfahrt, denn ab der Grenze heißt die Höchstgeschwindigkeit für Busse 80. Dank einer Baustelle auf der Autobahn in Richtung Balaton verlieren wir weitere 45 Minuten, bevor wir auf dem Gellertberg ankommen. Nach einer halbe Stunde Ausblick und Rundgang geht die Fahrt weiter ins Burgviertel, zur Fischerbastei. Dort ist ein Rundgang und eine kurze Mitttagspause vorgesehen. Dann quälen wir uns durch den täglichen Verkehrsinfarkt auf die Pester Seite. Spätestens hier ist der Punkt erreicht, an dem Busfahrer Hannes sich 20 Jahre zurück wünscht, als man die ungarischen Autos noch zählen konnte und die Straßen dafür ausreichten, um bequem durch die Stadt zu fahren. Da man an den Markthallen inzwischen fast so viel Glück braucht, einen Parkplatz zu finden, wie im Lotto, entscheiden wir uns für einen Stadtgang und halten unter der Kettenbrücke. Aber auch das ist nicht der Weisheit letzter Schluss, muss man doch im dicksten Feierabendverkehr von dort aus wieder aus der Satdt rausfahren. Wie ihr sehen könnt, arbeiten wir noch an einem optimalen Besuchsprogramm, dass die Zeit, die wir in den Staus verbringen minimiert und den Aufenthalt für die Fahrgäste verlängert. Das optimalste wäre allerdings ein mehrtägiger Aufenthalt in dieser entdeckenswerten Stadt.

Adel und Spiele

Nachdem wir gestern den Kahlenberg wegen des Wetters strichen, holten wir ihn heute morgen als erstes nach. Über die Höhenstraße fahren wir von Klosterneuburg auf den Parkplatz, der unseren Fahrgästen den schönsten Blick auf Wien genießen sollen. Die Sicht ist wunderbar, aber der Genuss scheitert am kalten Wind auf der kahlen Höh. Sie eilen an der Josefikapelle vorbei auf Aussichtsplattform, sehen schnell auf die majestätisch daliegende österreichische Hauptstadt, drehen um und eilen dem beheizten Bus entgegen. Über Grinzing geht der Ausflug weiter über den Gürtel, vorbei am Westbahnhof in Richtung Schönbrunn. Die Gruppe hört natürlich aufmerksam den Infos zu, die den Bau, die Assymetrie des Schlosses, seine Bewohner und die alchimistischen Fähigkeiten von Kaiser Franz betreffen, zu. Dann werden sie für drei Stunden in den Besichtigungsmarathon entlassen. Trocken von oben ist es mittlerweile, aber der Wind lässt alle mächtig frieren. Zum Abschluss des heutigen Programms fahren wir die rechte Wienzeile hinunter, vorbei an Stadtpark, Münze, Beamtenaqarium über den Nestroyplatz hin zum Prater. Da es aber noch immer richtig eklig kalt ist, bekommen unsere Gäste aufgrund unserer Nachfrage eine Stunde Zeit zugebilligt, wobei sie nach bereits einer halben davon wieder zurückkommen, denn es hat mal wieder begonnen zu regnen. Dann geht es zurück nach Stockerau. Hier hat jetzt jeder die Möglichkeit, den Abend nach seinem Geschmack zu verbringen. Einge sind gleich in Wien zurückgeblieben. Und wir? Wir ruhen uns schon einmal aus, denn morgen steht der Ausflug nach Budapest auf dem Programm. Und der ist bekanntermaßen anstrengend.

Ein Aprilscherz

Wien am ersten April. Bei dem Wetter muss es sich um einen Aprilscherz handeln. Nichts Böses ahnend fahren wir in Stockerau ab. Das heißt Übles ahnten wir schon, nachdem uns einer unserer Kellner bereits beim Frühstück darauf hinwies, dass halb Wien gesperrt und der Ring Großbaustelle sei. Also mussten wir den ursprünglichen Anfahrtplan ändern und statt über die Nordbrücke zu fahren, die Reichsbrücke nehmen. Trotzdem kamen wir etwas später zum Treffpunkt, denn fein Schneesturm behinderte unsere Anfahrt. Im Gegensatz zu Hannes, der seinen Ersatzreiseleiter einsammelte, verließ ich den Bus, denn ich hatte ein Date mit einer anderen Habsburgspezialistin. Aufgrund des Wetters fielen wir sofort in das nächste Café ein, und weil dieses auch noch über einen Rauerraum verfügte, blieben wir dort für die nächsten Stunden in einer spannenden Mayerling-Diskussion hängen. Derweil fuhr Hannes mit seinem stellvertretenden, diesmal männlichen, Austria-Guide durch Wien. Hatte der Mann ein Glück, dass ich ausgestiegen bin. Er erzählte den Fahrgästen doch allen Ernstes, Sisi habe ihre Flitterwochen in Venedig verbracht. Ich glaube, ich hätte bei diesem Ausspruch den automatischen Türöffner der vorderen Tür betätigt oder nach dem für den Schleudersitz gesucht. Ich bin mal gespannt, ob er nächste Woche wieder mitfahren will. Ansonsten ging es über die übliche Route: Hundertwasserhaus, Belvedere und Hofburg. Heute nur auf neuen Wegen, siehe Sperrungen oben. Nachdem wir uns dann in einer Regenpause doch kurzfristig vom Café losreißen konnten, überzeugte ich eine große Buchhandlung, mein Sisi-Buch ins Sortiment aufzunehmen. Book on Demand hat wirklich massive Nachteile. Dann ging es zur Audienz bei Sisi in der Kapuzinergruft. Der musste ich doch zumindest per Pressetext mitteilen, dass ihre Gedichte endlich zum Leben erwacht sind. Wobei ich natürlich auf die Neugier der anderen morbiden Schaulustigen hoffe, dass sie den Text lesen und in die nächste Buchhandlung eilen. Die wäre übrigens gleich in der Nähe. Auch ich stand dann pünktlich an der Haltestelle am Schwedenplatz und traf Hannes wieder, der in der Zwischenzeit hungerleidend und einsam einige Stunden auf dem Busparkplatz hinvegetiert hat. Immerhin habe ich ihm ein belegtes Brötchen mitgebracht. Dann ging es wie immer nach Grinzing, wo ich die Gruppe beim Heurigen abgeliefert habe und Hannes den Bus im ortsansässigen Parkhaus versorgte. Jetzt sitzen wir in unserer Stammkneipe bei Kaffee und Tee und warten, dass der Abend sein Ende findet.

Saisonbeginn

Kennt ihr das? Man sollte schlafen, weil es morgens früh losgeht, aber leider finktioniert es nicht wie geplant. Es ist allerdings weniger Aufregung dabei, denn für uns sind diese Fahrten im Prinzip Routine. Aber trotzdem ist beim ersten Mal im Jahr alles anders. Zu viele Fragen gehen einem durch den Kopf. Habe ich an alles gedacht? Wo sind die Forint vom letzten Jahr? Sind die richtigen Kleidungsstücke eingepackt? Und pünktlich eine Stunde bevor man eigentlich muss, steht man auf. Aber was soll's? Nutze ich einfach die Zeit, mit der Berichterstattung zu beginnen. Diese wird sich hier im Laufe des Tage dann fortsetzen. Aber zunächst ist es an der Zeit, sich fertig zu machen, um zu starten. A Bientot ... Nun ist es geschafft. Wir sind gut in Stockerau, 30 Kilometer vor Wien, angekommen. Gegessen wurde auch schon und alle sind zwar platt, aber zufrieden. Dennoch war es ein Höllenritt. Sturm "Nicolaus" macht vor nichts Halt, nicht einmal vor unserem Einstein-Bus. Von Saarbrücken bis Stockerau bließ es aus allen erdenklichen Richtungen. Busfahrer Hannes musste das Steuer so fest halten, dass er heute Abend Muskelkater in den Armen hat. Und trotzdem wurden wir noch kräftig durchgeschüttelt. Umgestürzte Anhänger und Bäume säumten den Weg, im Radio kamen ständig neue Horrormeldungen, vor allem aus Bayern, dass wir noch durchqueren musste. Doch dabei hatten wir scheinbar Glück, denn der richtige Orkan tobte im Voralpenland bis zur bayrischen Landeshauptstadt. Wir hatten nur Sturm. Von Regensburg bis Linz ging es dann etwas besser, aber ab Amstetten hatte der Orkan auch Österreich erreicht. Nachdem wir in St. Pölten auf die Donauuferautobahn abbiegen mussten, traf er uns wieder seitlich, zusammen mit heftigen Regenschauern. Aber wir haben durchaus Hoffnung, dass der Sturm sich verzieht und wenn überhaupt, nur der Regen bleibt. Dagegen helfen Schirm und Kapuzen. Aber vor dem heutigen Sturm kapitulierte jedes noch so hochgelobte Haarspray. Wir konnten nicht sagen: "Wind in Saarbrücken, die Frisur hält, Orkan in Bayern, die Frisur hält. Orkanartige Böen in Stockerau und die Frisur hält. Also auch die Werbung ist nicht mehr das, was sie mal war.